Zwischen Harz und Bruch 2004
Die Heiketalwarte am Huy
Von Hartmut Neubauer
Im 13./14. Jahrhundert war die Stadt Halberstadt von vielen Warten umgeben. Zu diesem Wartensystem, dass der Territorialverteidigung diente, gehörte auch die Heiketalwarte am westlichen Ende des Huy. Der Bischof Vollrath von Kranichefeld (1255 – 1296) lies diese Warte um 1280 erbauen. Im Jahr 1282 war die Warte ein Lehen der Regensteiner Grafen. Bischof Albrecht von Halberstadt kaufte im Jahr 1258 den Regensteiner Grafen die Warte ab. In Folge des Aufstandes der Halberstädter Bürger (“Halberstädter Schicht“) wurde das Bauwerk im Jahr 1425 angezündet und teilweise zerstört. Aus dem Jahr 1432 ist bekannt, dass der Rat der Stadt Halberstadt keine Erlaubnis gab, die Warte zu erneuern. 1454 wurde sie jedoch wieder neu aufgebaut. Die Steine dazu holte man von der zerstörten Ohlenburg (Altenburg), einer geschliffenen Raubritterburg nahe dem Dorf Badersleben. Bauern aus Badersleben mussten mit ihrem Pferdegespannen Steine und Balken zur Warte transportieren. Bei diesem Neuaufbau wurden der Turm erneuert und für die Pferde der Turmwächter Ställe gebaut.
Die Bauern mussten die Turmwächter mit Essen versorgen, aber auch das Pferdefutter anliefern. Bei Heranziehen der Feinde gaben die Turmwächter Rauchzeichen. Damit waren die umliegenden Orte gewarnt. Zur Zeit des 30-järigen Krieges, genauer gesagt im Jahr 1641, zerstörten schwedische Landsknechte die Inneneinrichtung und das Dach der Heiketalwarte. Die Pferdeställe brannten ab. Ungenutzt und ohne Dach stand die Warte viele Jahre leer. Im Jahr 1937 baute die Deutsche Wehrmacht eine Funkstation mit Bunkern in der Nähe der Warte auf. Der Turm wurde mit Tarnnetzen verhängt.
Nach Kriegsende standen die Gebäude leer. Zu DDR-Zeiten wurden die Bunker als Kuhställe benutzt. Unbekannte brachen in den 50er Jahren ein Loch in die Mauer der Warte, die dem allmählichen Verfall preisgegeben war. Doch das Jahr 2003 brachte die Rettung für die Heiketalwarte. Der Architektur-Student Klaus Wilken Weseloh aus Braunschweig schloss im Frühjahr 2003 mit der Gemeinde Zilly einen Pachtvertrag über 20 Jahre ab. Von Juni bis Oktober 2003 führte Weseloh mit Hilfe von Kollegen und den Firmen Otto Wassertat (Inh. Alfred Unger) aus Zilly und Tischlerei Säubert aus Berßel umfangreiche Reparaturarbeiten durch. Der Mauereinbruch wurde geschlossen und eine Eisentür eingebaut. Die ehemalige Einstiegsluke erhielt eine Holztür. Am 18. September 2003 bekam die Warte ein neues Dach. Anschließend wurden Glasfenster eingebaut. Nun kann die Heiketalwarte die nächsten Jahrhunderte überstehen.
Um die Heiketalwarte rankt sich „Die Sage vom kopflosen Ritter“, der in schwarzer Rüstung gekleidet mit seinem schwarzen Ross hier in der Nähe spukt. Seine Gebeine sollen in einem Gewölbe in der Warte liegen. Es heißt, der schwarze Ritter war der Anführer der Raubritter der Ohlenburg. Wegen seiner bösen Taten wurde ihm von den Männern des Halberstädter Bischofs der Kopf abgeschlagen und nun ist er bei Vollmondmächten dazu verdammt, neben der Warte zu spuken. Wehe dem Wanderer der ihm begegnet! Da die Raubritter auf der Ohlenburg hausten, woher die Steine für den Wiederaufbau der Heiketalwarte geholt wurden, liegt nun ein Fluch auf der Warte. „Erst wenn der Hoikentalturm in Trümmern liegt, so wird der schwarze Ritter von dem Herren erlöset!“ Wie die Warte zu ihrem Namen kam, ist schwer zu ergründen. In alten Sagen wird vom Hoikentalsturm oder Eichentalsturm gesprochen. Heiketal bedeutet aber heiliges Tal. Da ein Bischof die Warte erbauen ließ, könnte sie Heiligentalswarte heißen? Der besondere Dank des Autors gilt an dieser Stelle dem Chronisten Winfried Fritz aus Dardesheim für seine freundliche Unterstützung.
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