Der Ritter vom Hoikentalsturm

(Albert Klaus)

Noch steht die alte Warte
Hoch überm Hoiketal
Erhellt vom Sonnenglanze,
geküsst vom Mondenstrahl.

Erbaut in alten Zeiten,
Grüßt sie der nahe Forst
Es brütet in den mauern
Der Falk in seinem Horst.

Und in dem alten Turme,
so einsam in der Rund,
regt es sich mitternächtlich
in banger „Geisterstund“.

Es löst sich vom Gemäuer
Ein Ritter, stahlbewehrt,
im Kürraß, hoch zu Roße,
umgürtet mit dem Schwert.

Das Haupt des Reiters fehlet,
das schlug der Feind ihm ab.
Kopflos ist er entstiegen
allda dem Steinern Grab.

Und wie ein Ungewitter,
das durch die Lüfte braust,
jagt er im wilden Ritte,
die Zügel in der Faust.

Der Wandrer packt ein Grausen,
der nächtlich hier noch irrt,
hört im Vorübersausen
die Rüstung klingt und klirrt.

Vom Hufschlag hallt die Fläche.
Im Sturm, der ihn umfacht
Hört man des Rosses schnauben
Und ahnt den Spuk der Nacht.

Doch oben, hart am Walde
Erlahmt der kühne Ritt,
ermüdend hemmt der Reiter
des Tieres raschen Schritt.

Und in den kühlen Fluten
Versinken Mann und Roß.
So löst, im Schilfen, Sumpfe,
der Geisterspuk sich los.

Wohl singen die Geschlechter
Davon kein hohes Lied,
kaum weiß man in der Heimat
heut noch von diesem Ritt.

Stumm schläft die kleine Sage
Im altersgrauen Turm,
und muß mit ihm verschwinden,
zerbricht ihn einst der Sturm.

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